„... und erstmals sah ich das Mädchen lächeln“ - Friedenstag in Batticaloa und Vallaichchennai PDF Drucken E-Mail

Die Gewalt in Sri Lanka hat in den letzten Monaten stetig zugenpeacedaylogoommen.

„Andere Leute brauchen einen Wecker, um wach zu werden“, sagt der 15-jährige Schüler Sylvester K. aus Batticaloa. „Wir hier im Osten  Sri Lankas werden von Gewehrsalven und Bomben geweckt. Wir schreien die Ungerechtigkeit heraus, aber nirgendwo hört man uns.“

Das stimmt nicht ganz. Die Field Team Members der Nonviolent Peaceforce hören zu und ermutigen die Menschen, ihrer Friedenssehnsucht Ausdruck zu verleihen. Zum Beispiel am Internationalen Tag des Friedens am 21. September. 

von Stephan Brües, Fotos von Jyoti Chakma 

Die Gewalt in Sri Lanka hat in den letzten Monaten stetig zugenommen. Die srilankische Armee und die LTTE bekämpfen sich immer heftiger. Im Osten gibt es kaum noch LTTE-Zonen. Und die Lage wird noch komplizierter, weil sich die abgespaltene Karuna-Gruppe weiter geteilt hat und Karuna selbst in England ist und in Haft sitzt. Um militärisch aktiv zu bleiben nehmen die Entführungen von Kindern zu. Allein das kleine Batticaloa-Team der Nonviolent Peaceforce registrierte im Oktober acht neue Fälle von Entführungen von Minderjährigen durch bewaffnete Gruppen. Vermutlich sind es viel mehr, denn die Milizen haben den Angehörigen mit Mord gedroht, falls sie ihre Erlebnisse weitergeben. Jüngst wurde eine Mutter eines entführten Jungen von ihnen gar erschossen, weil sie zu Nicht-Regierungsorganisationen gehen wollte.

„Andere Leute brauchen einen Wecker, um wach zu werden“, sagt der 15-jährige Schüler Sylvester K. aus Batticaloa. „Wir hier im Osten  Sri Lankas werden von Gewehrsalven und Bomben geweckt. Wir schreien die Ungerechtigkeit heraus, aber nirgendwo hört man uns.“

Das stimmt nicht ganz. UN-Organisationen wie UNICEF oder das UNHCR oder die internationale Friedensorganisation Nonviolent Peaceforce (NP) hören zu. Sie ermutigen die Menschen, ihrer Friedenssehnsucht Ausdruck zu verleihen. Zum Beispiel am Internationalen Tag des Friedens am 21. September.

Ein Tag, der von der Friedensbewegung in Sri Lanka, religiösen Führern oder der größten Hilfsorganisation des Landes Sarvodaya jährlich mit Veranstaltungen begangen wird.

Jyoti Chakma, in Bangladesh geborenes deutsches Mitglied des Teams der Nonviolent Peaceforce ist seit Juni in Batticaloa. In Berlin, wo er bis dato lebte, hat er in vielen interkulturellen Projekten mit Jugendlichen gearbeitet und sich in Initiativen für Frieden und Menschenrechte eingesetzt.

Chakma undpict0005 seinen Kollegen im „Batti-Team“ wollten den Internationalen Friedenstag nutzen, um ein großes Fest für die zu organisieren, die am härtesten von Krieg und Gewalt betroffen worden sind - die Waisen und ehemalige Kindersoldaten. Während diese ihrem tristen Alltag entfliehen sollten, um Spaß zu  haben und ihre Friedenssehnsüchte auszudrücken, wollte er gleichzeitig die drei im Distrikt Batticaloa befindlichen Ausbildungszentren St. Johns, „Lilies in the Field“ und das Psychologische Beratungszentrum (PPCC) zusammen bringen. Denn viele ehemalige Kindersoldaten sowohl Mädchen als auch Jungs bekamen einen sicheren Zufluchtort durch Hilfe von NP in diesen Zentren.

dsc00077Mit Hilfe von Geldern der UNICEF und weitere Finanziers, die NP Sri Lanka in Colombo einwarb, organisierte er binnen zwei Wochen ein Friedensfest. „Den ganzen Tag über gab es verschiede Aktionen wie Malen über Krieg und Frieden, Briefe schreiben an unbekannte Freunde irgendwo in dieser Welt, Fußball, Baseball, Volleyball, Badminton, Cricket, Fußball usw. Es wurden Friedenslieder gesungen und Theater zum Thema Gewalt und Frieden gespielt“, erzählt Chakma. 450 Jugendliche nahmen an den diversen Aktivitäten teil.


Bei der Eröffnung sprachen ein muslimischer Führer aus Kattankudy, der Rektor des St. John Ausbildungszentrums, ein Pfarrer von St. Johns und der Leiter der jesuitischen Ausbildungsstätte für ehemalige Kindersoldaten  „Lilies of the field“ und der Vertreter von NP Batticaloa. Zwei Jugendliche lasen Friedensbotschaften vor.
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„Ich sah das Mädchen von den „Lilies“, das immer traurig aussah, wenn ich es dort getroffen habe. Bei meinen zehn Besuchen dort habe ich es wirklich nie lächeln gesehen“, erzählt Chakma. „Aber auf dem Friedensfest war es richtig Energie geladen und hat alle Spiele mitgemacht - und es lächelte.“ Und da war auch der Junge, den er zwei Wochen zuvor aus dem Lager für interne Flüchtlinge zu den „Lilies“ gebracht hatte. Er sei entführt, dann freigelassen worden, er würde jedoch weiterhin von bewaffneten Gruppen bedroht. Auch er sah auf dem Fest richtig glücklich aus.

Auch in der Nachbarstadt Valaichchenai fand eine Friedensaktion statt. Angela Pinchero, Programm Managerin des NP-Projektes in Sri Lanka erzählt: „Der Friedenstag begann mit einer Mahnwache von Müttern und einigen wenigen Vätern. Es gab eine Zeremonie und Lesung von Gedichten, an dem lokale Basisgruppen und 40 Mütter, wenige Väter, ein lokaler Pfarrer, ein Repräsentant von UNICEF und Taxifahrer teilnahmen. Die Gruppe bewegte sich auf die Hauptstraße vor dem NP-Büro und vermittelten die Botschaft, dass sie in Frieden leben wollten und ohne Angst, dass ihr Recht auf Leben respektiert werde und dass ihre Kinder von allen bewaffneten Kräften freigelassen und ihnen zurückgegeben werden.“  Die Gedichte wurden an Markthändler, Businsassen und Angehörige der Armee verteilt. Die Aktion endetpict0024e wieder mit einer Zeremonie und sozialem Beisammensein.

„Es gehörte viel Mut dazu, durch diese gewaltfreie Aktion ein Zeichen für Frieden zu setzen“, sagt Pinchero (auf dem Foto rechts). Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie ist seit 2003 im Lande und ist während des Tsunamis nur durch einen Zufall dem sicheren Tod entronnen.
Die Friedensfachkräfte in Sri Lanka haben einen neuen Akzent in ihrer Arbeit gesetzt. Nicht nur im Stillen den Menschen beistehen, sondern öffentlich zeigen, dass nur Frieden das Land in eine gute Zukunft führen wird.

 
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